Liebe Helena, vielen Dank, dass du dir für unser Gespräch Zeit nimmst.

Gleich zu Beginn, nachträglich nochmals ganz herzliche Gratulation zu deiner Nominierung für die Justitia Awards in der Kategorie „Young Achievers“! Was bedeutet diese Nominierung für dich?

Danke, ich freue mich nach wie vor sehr. Es fühlt sich ein bisschen als Anerkennung meiner täglichen Arbeit an. Ich wollte ja schon als Kind hoch hinaus – damals halt noch als Stewardess (lacht). Ich bin froh, dass sich das „hoch hinaus“ nicht mehr auf die Flughöhe, sondern die Anwaltei bezieht und mein Engagement bereits in einer doch noch relativ frühen Phase meiner Karriere mit dieser Nominierung sowohl intern, als auch extern honoriert wird.

Die Kategorie „Young Achievers“ ist definiert durch „a young legal professional achieving extraordinary success“. Konkret: warum, glaubst du, bist du nominiert?

Das fragen wir am besten meinen Partner, Dr. Alric Ofenheimer (lacht). Gerade in unserer Branche ist es wichtig, detailverliebt zu sein, genau zu arbeiten und eine Begeisterung für die Themen mitzubringen. Ich hatte immer schon einen sehr hohen Anspruch an mich selbst und dieser Ehrgeiz treibt mich an. Gleichzeitig musst du aber auch wo landen, wo du dich zeigen kannst, dich weiterentwickeln kannst und auch mal die „sichere Komfortzone“ verlassen kannst, aber weißt, dass du jederzeit von deinem Partner Rückendeckung hast. Besonders wichtig ist mir auch, dass das Miteinander und die gute Stimmung bei der Arbeit nicht zu kurz kommt. Wahrscheinlich nennen mich deswegen meine KollegInnen auch „Chief Happiness Officer“…

Die Generation Y ist auf dem Aufschwung am Arbeitsmarkt, was ist deiner Meinung nach besonders wichtig für junge Frauen in der Arbeitswelt?

Ich glaube, ich gehöre auch noch zur Generation Y, oder (lacht)? Besonders wichtig ist, sich nicht einschüchtern zu lassen und selbstbewusst aufzutreten. Frei nach dem Motto: Du bist nie zu jung und es ist nie zu früh. Es ist gut, mutig genug zu sein und sich selbst zu fordern, um die nächste Stufe zu erklimmen. Ich freue mich beispielsweise darauf als Speakerin auf der „Hotel Development & Investment 2021“ eingeladen zu sein. Dazu gehören zweierlei Dinge: das muss dir jemand zutrauen und dich in die erste Reihe stellen, vor allem aber musst du es dir selbst zutrauen.

In die Rechtsbranche einzusteigen, erscheint für junge Frauen häufig nicht attraktiv, was sind hier deine Erfahrungen?

Ich finde es schade, wenn ich auf Karrieremessen bei den Studentinnen heraushöre, wie unschlüssig sie sind, eine Karriere in der Anwaltei anzustreben. Insbesondere Großkanzleien stehen bei vielen Studentinnen nicht ganz oben auf der Wunschliste – vom Rechtsbereich M&A, der oft als besonders intensiv wahrgenommen wird, ganz zu schweigen. Ich finde es gut, dass das Thema „Frauen in der Anwaltei“ mittlerweile viel, aber noch längst nicht ausreichend, Raum bekommt. Es gibt noch viele Punkte, die sich in der Branche noch ändern müssen, um diesen Bereich auch für Frauen nachhaltig attraktiv zu gestalten, ganz klar. Aber auch hier: Ich bin als junge Frau in einer Großkanzlei im Real Estate M&A-Bereich und mir geht’s wunderbar. In unserem Team packen alle an, wir verstehen uns gut, wir unterstützen uns gegenseitig.

Da wären wir schon mitten in den Tipps für deine Kolleginnen…

Sich nicht unterkriegen zu lassen. Und an sich selber zu glauben! Ich war oft nicht nur die jüngste, sondern auch die einzige Frau am Verhandlungstisch. Klar wirkt das manchmal einschüchternd. Umso schöner fand ich, als mir dann einmal gesagt wurde, dass wir Frauen die Dynamik beim Verhandeln ändern.

Wie lange bist du schon bei E+H, wie war dein bisheriger Ausbildungs- & Karriereweg?

Ich habe bereits während dem Studium als studentische Mitarbeiterin in einer kleineren Kanzlei gearbeitet und somit erste „Praxisluft“ schnuppern können. Nach Abschluss meines Studiums habe ich direkt die Gerichtspraxis gemacht und unmittelbar danach, also im März 2018, bei E+H begonnen. Seitdem bin ich im Team von Alric Ofenheimer im Bereich Real Estate und Corporate/M&A tätig, wobei der Schwerpunkt meiner Tätigkeit im Bereich Real Estate liegt – insbesondere im Bereich Hotel & Leisure, der mir viel Spaß macht. Ich hatte das Glück, bereits sehr früh gefordert und gefördert zu werden und Verantwortung übernehmen zu dürfen. Im Jänner 2021 habe ich dann die Rechtsanwaltsprüfung mit sehr gutem Erfolg abgelegt.

Und what’s next? Wie geht es bei dir weiter?

Mittlerweile bin ich in meinem letzten Jahr als Konzipientin und nächstes Jahr als Rechtsanwältin eintragungsfähig. Rückblickend betrachtet eigentlich unglaublich, wie schnell die Zeit vergangen ist. Ich freue mich schon darauf, auch als Rechtsanwältin weiterhin in meinen Spezialgebieten tätig zu sein und unsere Mandanten bei spannenden Projekten zu begleiten. Ich möchte weiter mit einem starken Team im Rücken agieren können, denn meine Erfahrung bei E+H zeigt: Teamwork makes the dream work!

Und jetzt noch ein Blick auf deinen Schreibtisch: Was beschäftigt dich momentan? Welche Projekte begleitest du derzeit?

Ich betreue derzeit einen ausländischen Mandanten bei einer potenziellen Hotel-Akquisition hier in Wien. Wir befinden uns noch relativ am Anfang der Transaktion und sind gerade bei der Festlegung der Transaktionsstruktur. Abgesehen davon verhandeln wir gerade einen komplexen Totalunternehmervertrag im Zusammenhang mit dem Umbau eines historischen Gebäudes in ein Hotel. Zusätzlich arbeite ich gerade eng mit dem Linde-Verlag an einem spannenden Projekt, das bald schrittweise gelaunched wird. Mir wird also nicht langweilig.