Liebe Franziska, lieber Fabian, lieber Niklas – Congratulations, ihr habt bereits euer 1-Jahres-Jubiliäum als Rechtsanwaltsanwärterin und -anwärter gefeiert. Rückblickend geht das immer schnell, aber wie habt ihr es für euch erlebt in diesem ganz besonderen Jahr?

 

Wie geht es euch, was beschäftigt euch gerade fachlich?

Niklas: Eigentlich super, gerade haben wir ein Mandat im Aufenthaltsrecht abgeschlossen, wo ich sehr viel eigenverantwortlich machen durfte. Ansonsten sind bei mir viele unterschiedliche Sachen auf dem Tisch: wir betreuen gerade ein besonders großes Vergabeverfahren, parallel dazu beschäftige ich mich auch mit Bankenaufsichtsrecht und Fragen aus dem Pharmabereich.

Franziska: Mir geht es auch super. Im Arbeitsrecht bin ich mit einigen Anfragen beschäftigt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Von der Erstellung von Verträgen und betriebsverfassungsrechtlichen Fragen zu gerichtlichen Verfahren (ua im Zusammenhang mit Kurzarbeit) ist alles dabei. Daneben sind wir regelmäßig mit DDs und (derzeit) mit den gesetzlichen Neuerungen iZm Homeoffice beschäftigt.

Fabian: Danke, auch bei mir ist alles bestens. Zurzeit beschäftigt unser Team vor allem grenzüberschreitende Sachverhalte – angefangen von grenzüberschreitenden Sitzverlegungen bis hin zu grenzüberschreitenden Verschmelzungen. Auch sonst sind wir mit den unterschiedlichsten Facetten des Gesellschafts- und Immobilienwirtschaftsrechts gut beschäftigt.

 

Home-Office? Office? Wo findet man euch derzeit?

Franziska: Derzeit bin ich natürlich vor allem im Home-Office, das geht jetzt auch besser als am Anfang, weil ich auch technisch besser ausgestattet bin und mir einen richtigen Arbeitsplatz eingerichtet habe. Zumindest an einem Tag pro Woche versuche ich aber im Büro zu sein, dieser Ortswechsel tut schon gut! Auch die Büroinfrastruktur – Stichwort: Kaffeemaschine und Kopierer – sind echt eine Erleichterung oder einem Kollegen dann doch über den Weg zu laufen – das sind lauter Kleinigkeiten, die derzeit echt helfen.

Fabian: Absolut. Diese Gründe ziehen auch mich in letzter Zeit immer häufiger ins Büro – ich bin also wieder öfter im Büro zu finden und weiterhin natürlich auch abwechselnd im Home-Office – das hat von Beginn an eigentlich sehr gut funktioniert.

Gerade ihr beide – Fabian und Niklas – seid ja pünktlich zum ersten Lockdown am 16.03.2020 bei uns eingestiegen? Wie war das damals für euch?

Niklas: Als ihr mir gesagt habt: „Das ziehen wir jetzt durch!“, habe ich mich echt gefreut. Ich weiß natürlich nicht, wie der Start unter „normalen“ Umständen gewesen wäre, aber es hat alles super funktioniert und ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt.  

Fabian: Jedenfalls! Dass es trotz der schwierigen Phase losgehen kann, hat mich natürlich auch sehr gefreut! Ich denke es war zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar, wie sich die gesamte Situation weiterentwickeln wird – die neue Aufgabe und die freundliche Aufnahme durch sämtliche Kolleginnen und Kollegen waren aber natürlich zusätzlich motivierend.

 

Und wie war euer (Remote-)Start, die ersten Wochen als RechtsanwaltsanwärterIn?

Fabian: Nachdem ich E+H bereits in meinem Sommerpraktikum in Graz kennenlernen konnte und damit gewisse Abläufe bereits bekannt waren, war der Einstieg jedenfalls schon einmal leichter. Dass ich auch fast alle Teammitglieder in den Vorstellungsgesprächen zumindest kurz kennen lernen konnte, hat definitiv auch geholfen. Gleichzeitig war jedenfalls spürbar, dass es allen wichtig ist, dass der Einstieg – den Umständen entsprechend – bestmöglich funktioniert – und so war’s auch!

Niklas: Ja, ich finde auch, dass es mir mein Team sehr leicht gemacht hat. Mit meiner Chefin konnte ich gleich eine super Basis aufbauen und mir ist schnell klar geworden, dass es gerade zum Start wirklich keine blöden Fragen gibt.

Franziska: Da hatte ich natürlich einen großen Vorteil, dass ich durch das Praktikum und die kurze Zeit vor dem Lockdown mein Team schon recht gut kennenlernen konnte. Bei uns ist es dann vor allem auch fachlich mit der arbeitsrechtlichen Beratung (insb iZm Kurzarbeit, Corona-Prämie, etc) während dem ersten Lockdown echt rundgegangen.

Aber wie funktioniert dieses Remote-Arbeiten, wie kann man sich das vorstellen?

Franziska: Der Technik sei Dank, arbeiten wir zwar räumlich voneinander entfernt, aber sonst genauso eng wie im Office. Wir haben fast jeden Tag ein Jour Fixe, mehrmals am Tag telefoniere ich mit meinen KollegInnen oder meiner Partnerin, parallel dazu laufen diverse Videocalls oder man arbeitet mittels Screensharing gemeinsam an Dokumenten. Auch Remote-Teamevents sind im Lockdown nicht zu kurz gekommen. So haben wir zb im Dezember gemeinsam via Video eine Kardinalschnitte gebacken und wider Erwarten war das wirklich lustig.

Fabian: Auch unser Team steht in dauerhaftem Austausch. Dabei war ich jedenfalls echt überrascht, dass insbesondere das ‚gemeinsam an Dokumenten arbeiten‘ so reibungslos funktioniert. Auch die anderen Tools, wie die Teilnahmen an Telefon- oder Videokonferenzen mit den Mandanten, helfen jedenfalls dabei, auch den Hintergrund der jeweiligen Projekte besser zu verstehen und damit das „big picture“ auch stets vor Augen zu haben.

 

Jetzt seid ihr schon seit mehr als einem Jahr bei uns, was hat sich für euch geändert?

Niklas: Es gibt noch so viel zu lernen! Jeder Tag und jede Woche ist eine neue Challenge, das hatte ich in anderen Jobs nicht und das macht mir richtig Spaß! Meine zuständige Partnerin ist hier auch ein großes Vorbild, sie weiß einfach zu jedem Thema etwas. Jetzt fange ich langsam an, dass ich mein Wissen weitergeben kann, PraktikantInnen dabei zu begleiten etwas Neues zu lernen, freut mich echt ganz besonders.

Franziska: Es hat sich viel verändert. Das erste Berufsjahr ist gemeinsam mit Corona an vielen Stellen eine echte Herausforderung gewesen – jetzt bin ich im zweiten Jahr und das fühlt sich wirklich gut an, weil ich selbstsicherer bin, weiß woran ich gezielt arbeiten kann, wo ich aber schon – auch dank der engen Zusammenarbeit mit meinem gesamten Team – Riesensprünge gemacht habe und ja: da bin ich schon stolz darauf!

Fabian: Das kann ich jedenfalls bestätigen. Das erste Jahr ist sehr wichtig – jeder Tag bringt neue Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Dabei merkt man sicherlich, dass eine gewisse Erfahrung in unterschiedlichen Situationen Gold wert ist. Auch wenn es einem in der tagtäglichen Arbeit wahrscheinlich gar nicht so bewusst ist, geht man diverse Sachverhalte einfach aus einem ganz anderen Blickwinkel, als noch am Anfang an. Ja…, schon eine ganze Menge, die sich da getan hat, wenn man zurückschaut.

Um diese vielen Erfahrungen reicher – was würdet ihr denn Studentinnen und Studenten mitgeben wollen?

Niklas: Ich finde es immer sehr schade, wenn ich höre, dass Studierende auf eine Auslandserfahrung verzichten, weil sie „keine Zeit verlieren“ wollen. Für mich war es eine extrem prägende Erfahrung und ich habe so viel für’s Leben gelernt – nicht nur Englisch und Europarecht. Dafür vielleicht ein Semester dran zu hängen, zahlt sich meiner Meinung nach auf jeden Fall aus.

Franziska: Wie auch Niklas, hat mich die Zeit im Ausland besonders geprägt. Zudem hat mir die praktische Erfahrung während des Studiums mögliche Interessenbereiche aufgezeigt und mir einen ersten Einblick in den Kanzleialltag gegeben. Dort hat mir besonders der fachliche und persönliche Austausch mit Kollegen geholfen, da ich so auch „Insiderinfos“ und viele Tipps erhalten habe. Neben der fachlichen Ausbildung und Weiterentwicklung finde ich auch den Ausgleich, ob nach Prüfungen und während des Arbeitsalltags, wichtig, um die Freude am juristischen Beruf langfristig zu wahren. 😉

Fabian: Definitiv, auch ich blicke sehr gerne auf meine Zeit im Ausland bzw. auf die verschiedenen Praktika während des Studiums zurück, die ich nicht missen möchte. Diese Erfahrungen prägen einen sicherlich in gewisser Weise und können dabei helfen, sich selbst ein Bild über die weitere berufliche Zukunft zu machen. Daneben sollten aber auch die anderen Facetten des Uni-Lebens ausreichend ausgekostet werden – Studentin bzw. Student ist man in den meisten Fällen ja (leider) nur einmal 😉

 

Wohl das perfekte Schlusswort. Euch und all unseren Associates, die in diesem Pandemie-Jahr gestartet sind – schön, dass wir uns alle miteinander nicht unterkriegen lassen und Danke jeder/jedem einzelnen für ihren/seinen ganz individuellen Beitrag dazu 🙂 … und euch dreien: vielen Dank, dass ihr euch für diese gemeinsame Rückschau Zeit genommen habt!

 

Das Interview wurde im April 2021 geführt.